Duisburger Journal

12 Duisburger Journal von HuG Duisburg 9/2023 beklagt – vor einem Jahr lag der Anteil bei rund zehn Prozent. Das sind Zahlen des Ifo-Instituts. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit weiteren Abkühlungen. Im Juli 2023 klagten 40,3 Prozent der Unternehmen imWoh- nungsbau über Auftragsmangel, 34,5 Prozent waren es im Juni. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 10,8 Prozent. Das geht aus der regelmäßigen Umfrage des Münchner Ifo-Insti- tuts hervor. Wohnungsbau: Auffällig viele Stornierungen „Es braut sich ein Sturm zusammen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. „Nach einem langjährigen Boom würgen die höheren Zinsen und die drastisch gestiegenen Baukosten das Neugeschäft förmlich ab.“ Seit dem Frühjahr 2022 beobachten die Wirtschaftsforscher auffällig viele Auftragsstornierungen im Wohnungsbau. Im Juli 2023 klagten immer noch 18,9 Prozent der Betriebe über abgesagte Projekte, nach 19,2 Prozent im Vormonat. Im langfristigen Mittel lag der Anteil bei moderaten 3,1 Prozent. Betrachtet man nur die Jahre bis 2021, waren es laut Ifo-In- stitut lediglich 1,5 Prozent. „Der Wohnungsbau steht unter starkem Druck. Auf der einen Seite werden kontinuierlich bestehende Aufträge storniert, auf der anderen Seite kommen immer weniger Neuaufträge rein“, sagt Wohlrabe. Finanzierung: Die Lage der Unternehmen spitzt sich zu Einige der Wohnungsbauunternehmen zehren der Umfrage zufolge noch von Auftragspolstern, die sie in besseren Zeiten aufgebaut haben. Für andere Betriebe wird die Situation allerdings schon bedrohlich: Im Rahmen der jüngsten Ifo-Umfrage meldete rund jede zehnte (10,5 Prozent) Firma Finanzierungsschwierigkeiten. Im Vorjahr waren es nur halb so viele. „Viele Projekte sind unter den neuen Rahmenbedingungen für Investoren nicht mehr rentabel, und auch private Bauleute haben zunehmend Probleme, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen“, erklärt Ifo-Experte Wohlrabe. Für die kommenden Monate rechnet demnach außerdem eine Mehrheit der Unternehmen mit einer weiteren Abküh- lung. Die Geschäftserwartungen lagen in der aktuellen Umfrage bei außerordentlich schwachen minus 52,1 Punk- ten. Bauen und Wohnen sollen billiger werden! Die Kostenexplosionen für Immobilienbesitzer und Mieter alarmieren die Politik! Quer durch Deutschland langen Kommunen mit steigenden Hebesätzen bei der Grundsteuer immer mehr zu. Vielen Familien versperrt zudem eine hohe Grunderwerbsteuer den Weg in die eigenen vier Wände. Steigende Preise für Häuser und Eigentumswohnungen tun ihr übriges, um die Steuern auf Grundbesitz und Grunderwerb in die Höhe zu trei- ben. ➧ Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft aber auch in NRW weiter. Neu gebaut wurden in NRW 3.631 Sozialwoh- nungen. Das sind 853 weniger als ein Jahr davor. Die Zahl der neuen Wohnungen reichte nicht aus, die aus der Preis- bindung fallenden Wohnungen zu ersetzen. Der Bestand sank von Ende 2021 bis Ende 2022 um 7.270 auf 435.025, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Die Zahl ist seit Jahren rückläufig. Immer weniger Sozialwohnungen statt mehr Die Zahl der Sozialwohnungen nimmt seit Jahren ab. Gab es in der alten Bundesrepublik noch fast vier Millionen Sozial- wohnungen, waren es 2010 nur noch rund 1,6 Millionen und 2020 nur noch rund 1,1 Millionen. Die Mieten sind bei Sozialwohnungen staatlich reguliert. Für den Bau gibt es staatliche Zuschüsse oder vergünstigte Darlehen. Dafür gilt befristet eine gedeckelte Miete. Wohnen dürfen dort nur Menschen, bei denen die Behörden einen besonderen Bedarf sehen. Nach einer bestimmten Zeit können die Wohnungen allerdings normal am Markt vermie- tet werden. Die Dauer dieser Bindung ist in den Ländern unterschiedlich geregelt. Kritik an Ampel-Wohnungspolitik Die Linken-Abgeordnete Lay warf der Ampel ein krachendes Scheitern der Wohnungspolitik vor. „Der Tiefstand beim sozialen Wohnungsbau beim Neubau und im Bestand ist an- gesichts ungebremst steigender Mieten und zunehmender Wohnungsnot höchst alarmierend“, sagte Lay der dpa. Sie forderte unter anderem ein öffentliches Wohnungsbau- programm und ein Sondervermögen für bezahlbares Woh- nen. Mindestens 20 Milliarden Euro müssten pro Jahr in den Bereich fließen. Die IG Bau hatte zuletzt ein Sondervermögen von 50 Milliarden für den Bau von Sozialwohnungen gefor- dert. Forderungen an die Bundesregierung Der Bau-Experte der Unionsfraktion, Ulrich Lange (CSU), forderte den Bund auf, Grundstücke anzukaufen, um sie verbilligt an Kommunen für den sozialen Wohnungsbau ab- zugeben. Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds, sagte: „Der historische Tiefstand an Sozialwohnungen muss ein Weckruf für die Bundes- regierung sein.“ Er verlangte ein Sofortprogramm für den Bau: Die Neubauförderung solle erhöht, „realistische“ Effizi- enzstandards sollten gesetzt und Erleichterungen bei der Grunderwerbssteuer umgesetzt werden. Die Bundesregierung hat im Haushaltsentwurf 2024 eine Erhöhung der Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau auf rund 3,1 Milliarden Euro angekündigt, ab 2025 bis 2027 sollen es jährlich 3,5 Milliarden sein. Eingebrochen ist in diesem Jahr aber nicht nur der Bau günstiger Wohnun- gen. Das Neugeschäft kommt zum Erliegen Vier von zehn Unternehmen, die im Wohnungsbau unterwegs sind, haben im Juli einen Auftragsmangel Wohnungsbaupolitik

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